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Wie Blicke zeugen können

Zur Ausstellung des Musikers und Malers Hannes Clauss im Paulinen-Krankenhaus, Berlin, Sept. - Dez. 2008

Wieder einmal lädt das Krankenhaus zu einer Ausstellung ein und wieder einmal soll neben dem diagnostischen Blick der ästhetische Blick zu seinem Recht kommen. Die Bilder von Clauss fordern den Betrachter auf, sich zu ihnen in Bezug zu setzen. Denn sie sind offen gestaltet und oft ein Anstoß für Assoziationsketten. Ein Prinzip, das der Künstler nicht nur in seinem bildnerischen Werk verfolgt, sondern auch in seinem musikalischen.

Das erfährt man bei den Landschaften. Denn der Betrachter muss sich aus den vom Künstler vorgegebenen Teilstücken - Horizont, Hügel und Himmel - die Landschaft selbst zusammensetzen. Einzig die Linie und die Farbe können als Wegweiser für den Assoziationsfluss dienen. Manche Betrachter sehen Italien, die anderen Schweden, wieder andere Meer und Berge.

Nicht anders verhält es sich bei den Scraffiti (Kratzbildern). Bei dieser Technik werden Felder aus farbiger Wachsmalkreide mit Schwarz abgedeckt, um anschließend Muster und Motive einzuritzen. Heraus kommen  geheimnisvolle Bilder, die den Blick wie durch Fensterrahmen leiten. Das Verborgene wird zum Teil wieder ans Licht gebracht. Das Auge versucht, das noch Verdeckte mit zu sehen, als sei es einem Geheimnis auf der Spur, das es noch zu lüften gilt.

Auch die Stockbilder treiben ihr Spiel mit dem Betrachter. Die über die Bildfläche hinausragenden Stöcke sind farbig, teils folkloristisch anmutend gefasst und verlegen die Farbe somit außerhalb des oft in reinem Weiß gehaltenen Bildträgers. Durch die Biegungen und Bündelungen der Haselnusszweige entstehen ganz eigene Spannungen. Verstärkt wird dies durch die Bespannung des Quadrats. Zusammen mit dem Farbauftrag zeigen sich zarte Reliefs, die je nach Licht variieren.
Die Ausstellung mutet fast wie eine Werkschau an, zeigt sie doch ein breites Spektrum künstlerischer Kreativität.

Dr. Elke-Maria Bina-Clauss