Das schreibt
die Presse

Hannes Clauss Quartett
17.2.96, Kulturetage OL
23.2.96, KITO HB-Vegesack

Nun aber! Der erste Anlauf im vergangenen Jahr ging daneben, das geplante Konzert und die Vorstellung der neuen CD in der Kulturetage mußte abgesagt werden. Das soll im Februar nachgeholt werden. Was ja nicht ganz so einfach ist, denn seine Mitmusiker muß der Oldenburger Schlagzeuger Hannes Clauss jeweils quer durch die Republik herbeirufen. Vielleicht hat der/die eine oder andere die neue CD schon zuhause, die das Quartett mit dieser Tour vorstellt. "Walk" heißt sie und ist beim kleinen, aber feinen Osnabrücker Label Acoustic Music des Gitarristen Peter Finger erschienen. Neugierig auf die Musik macht schon die Besetzung des Quartetts um Hannes Clauss mit dem Bassisten Thomas Biller, dem Gitarristen Werner Neumann und dem vielgelobten Klarinettisten Claudio Puntin. Gleich das erste Stück der CD zeigt, um was es geht. "Machixe'" kommt locker-leicht daher, eine Phantasie über lateinamerikanische Themen, die man wohl kaum als Opener einer Jazz-Combo erwarten würde. Hier wie in den meisten anderen Stücken zeigt sich eine besondere Qualität des Quartetts: man bewegt sich sicher auf dem Terrain Jazz, so sicher, daß man auch jederzeit mal einen Blick über den Zaun werfen kann. Da sieht man dann arabisches in "Camel Dance", blueslastiges in "Blues Blasen" oder Tango-Klänge in "So That". Vor allem bestimmt das melodische Spiel des Klarinettisten Claudio Puntin die Atmosphäre auf "Walk". Es ist halt schon etwas ganz besonderes, was so eine Klarinette zu sagen hat, unterscheidet sich sehr von dem, was Saxophon oder Trompete erzählen. Balladen wie "So that" oder Soli wie das auf dem Titelstück "Walk", wo Puntin die Bassklarinette spielt, erhalten eine ganz eigene, dunkle Färbung. das Spiel ist sehr melodiös und oft folkloristisch. Man darf gespannt darauf sein. was das Quarttett live zu bieten hat, wenn schon die Studio-Aufnahmen eine solche Lebendigkeit vermitteln.
Gerd Döring/
Diabolo 2/96

Potpourri der Jazzstile
Hannes-Clauss-Quartett in Lingen: experimentierfreudig

Ein Potpourri der Jazzstile bot das Hannes-Clauss-Quartett bei seinem Jazzfrühschoppen im Lingener "Professorenhaus". Das war kein gemütlicher Frühschoppen der üblichen Machart mit Dixieland, Swing und Blues, das war zum Teil experimentierfreudiger Jazz mit explodierenden Klangcollagen. Man war gefordert.
Da sich in diesem Quartett vier Profis gefunden haben, bleibt das Programm immer interessant: Hannes Clauss (Schlagzeug), Werner Neumann (Gitarre), Thomas Biller (Kontrabaß) und Claudio Puntin (B-, Es- und Baßklarinetten). Die vier spielen gern nach dem Motto: "Wer hat mein Lied mir zerstört"; was sie können, ist ihnen langweilig, sie machen es schnell wieder kaputt, bauen aus den Elementen ein neues, interessanteres Musikstück zusammen, recyceln abgenutzte Hörmuster.
Gleich ihr erster Titel. "Walk" ist Programm: ein Spaziergang durch die Jazzstile. Das Publikum kommt mit einer anderen Hörerwartung zu einem Jazzfrühschoppen, ist mehr auf gemütliches Mitwippen und Mitsummen aus. Hier wurde es gleich gefordert mit zum Teil zwingendemCool-Jazz bis hin zu aggressiven Klangcollagen.
Akustische Reminiszenzen einer Ägyptenreise brachte der Titel "Camel Dance", ein sehr bildhafter Soundtrack zu einem wogenden Kamelritt mit vielen Abstechern in ein musikalisches Dschungelbuch. Der Cantus firmus, ein rasanter Unisonogang, erinnerte an "Night in Tunesia".
Ganz wunderbar ist der Sound dieses Quartetts in lyrischen Balladen, wie z. B. in "Au Mary´s Hotel", wenn Claudio Puntin seinen betörenden Klarinettenklang entfaltet. Werner Neumann zaubert dazu eine impressionistische Intro voller Klangraffinesse: ungewöhnlich langer Applaus nach diesem Highlight.
So wie der darauffolgende Titel "Menue" war der ganze Jazzfrühschoppen arrangiert: viele Gänge unterschiedlichster Geschmacksrichtungen, aber meisterlich komponiert und geschmackvoll serviert!
Horst Seipelt/Lingener Tageszeitung 3/96

JAZZCLUB / Hannes Clauss
Krawall und Poesie

"Don't dance!" Der Name eines der Stücke des Hannes Clauss Quartetts kann als Motto für das ganze Konzert herhalten. "Tänze", diesen Titel hatten die Musiker ihrem Auftritt gegeben. Namen wie Menuett und Gavotte schmückten die gespielten Stücke. Nicht, daß man die klassischen Sätze der Suite erkannt hätte. Sei's drum: "Don't dance!" Hör lieber zu, es lohnt sich.
Ideen, mit denen andere ein ganzes Konzert bestreiten, bringen Clauss und seine Mannen in einem Stück unter. Tango-Nuevo, Klezmer, Walzer, Zirkusmusik - alles geht, wächst organisch zusammen zu musikalischen Kleinodien. Wenn Werner Neumann seine eckigen Gitarrensoli beginnt, aus Mosaiksteinchen einen Rock-Riff zaubert und wieder verschwinden läßt, wenn er Stakkatoakkorde mal vor, mal hinter dem Beat versteckt und schräg hineingrätscht in die weichen Klarinettenlinien von Claudio Puntin, dann wirkt das eigentümlich stimmig. Mal schlawinern die vier leise und poetisch durchs musikalische Abendland wie mittelalterliche Troubadoure. Dann gebärden sie sich phonstark-aggressiv wie Kinder, die fröhlich ihr Spielzeug zerschlagen und mit sichtbarem Genuß das soeben Erschaffene zerstören. Bandleader Hannes Clauss bleibt bei allem ein Gentlemantrommler, der sich zurückhält, wenn Thomas Biller seinen Baß ein Kinderlied singen läßt oder Claudio Puntins Baßklarinette Krawallyrik produziert. Ein Schlagzeuger, der auch holzen kann wie ein eifernder Berserker, wenn's sein muß. Das ist kein Chaos, das klingt nur manchmal so.
olf/Hannoversche Allgemeine Zeitung 10/97

Das schreibt die Presse zu den CDs von Hannes Clauß: