| CD-Kritiken |
WALK
Doch auch unser alter
Kontinent hat mit dem Quartett um den Oldenburger Schlagzeuger Hannes
Clauss eine äußerst intelligente, witzige und unerhört
musikalische Aufnahme zu bieten. Auf dieser herrlich eigenständigen
Einspielung durchstreifen die vier Topmusiker etliche Jazzsparten, ohne
nur eine Sekunde zu langweilen oder ausgslatschte Pfade zu betreten. In
hervorragendem Sound sind hier acht Kompositionen zu hören, die weitab
von jeglicher Banalität oder sturer US-amerikanischer Fixiertheit
nicht nur puristischen Jazzfans ein ungemein anregendes und lustiges Erlebnis
bieten
Mainzer Rheinzeitung 12/95
Wer meint, der Jazz
hätte im ausgehenden 20. Jahrhundert keine Überraschungen mehr
zu bieten, sollte sich diese CD anhören. Denn was die Musiker um
den Oldenburger Drummer Clauss eingespielt haben, weigert sich nicht nur
standhaft, in jedes gängige Klischee gepreßt zu werden, sondern
entpuppt sich zudem als überaus auf- und anregende Mixtur aus allen
erdenklichen Jazz-Stilen von New Orleans über Latin bis hin zum Hardbop.
Donau-Kurier 12/95
Schlagzeuger Hannes
Clauss gehört zu der recht kleinen Zahl von Drummern, die sowohl
in experimentell freien als auch in konventionellen Zusammenhangen zu
beeindrucken wissen. Nicht nur in der Bremer Improvisationsszene wird
der Oldenburger wegen seines einfallsreichen Spiels geschätzt. Zusammen
mit Claudio Puntin (cl, b-cl), Werner Neuman (g, tp) und Thomas Biller
(b) hat er jetzt ein Album eingespielt, das seine andere Seite zeigt.
In acht Stücken, vier davon vom Leader selbst geschrieben, spielen
sich die Musiker durch verschiedene Stilrichtungen des zeitgenössischen
Modern Jazz. Dabei zeichnen sich die Arrangements durch eine verblüffende
Leichtigkeit aus. in der allerdings immer kleine harmonische und rhythmische
Widerhaken versteckt sind. So ist ein abwechslungsreiches musikalisches
Kaleidoskop entstanden, das immer kleine Überraschungen bereit hält.
Bremer 1/96
Mit einer Mixtur aus
allen denkbaren Stilarten des Jazz beweist das Quartett, daß es
im Jazz immer innovative Kreationen gibt. Homogener, kompakter Sound zeichnet
diese CD aus.
Quirini´s Mediendienst 1/96
Romantisch-lyrisch
bis bretthart geht's zu auf dem Debut-Silberling des Hannes Clauss Quartett.
Neben dem Leader (Drums, Percussion und Vocals) sind Bassist Thomas Biller,
Multiinstrumentalist Werner Neumann und der Klarinettist Claudio Puntin
mit von der lebhaften Partie.
Rhythm & Groove, melancholische Momente, breit angelegte Soundflächen,
der Spielbälle sind viele, handfest und punktgenau werden sie genutzt
und umgesetzt. Humorvoll und bisweilen schräg geht's zu, die oft
zitierte Spielfreude wird hier großgeschrieben. Ein gelungener Erstling.
Jazz Podium 2/96
Eine Überraschung
erster Güte ist die CD "Walk" des Oldenburger (!) Schlagzeugers
Hannes Clauss. Sie ist Beispiel dafür, welches Niveau junge deutsche
Musiker heute mit ihrer ersten Veröffentlichung erreichen können.
Das Quartett spielt nicht nur talentiert und intelligent, sondern auch
bewegend. "Machixe" hat eine sprudelnde lateinamerikanische
Fröhlichkeit, "So that" eine sensible Tango/Pasodoble-Sanftheit
und "Nix Marsch" knüpft mit wuchtigen Trommelwirbeln glatt
an Art Blakeys "Blues March" an. Geradezu eine kleine Offenbarung
ist der Klarinettist Claudio Puntin, der mit schluchzenden, hingehauchten
und jubilierenden Klezmer-Tönen verblüfft. Wer hat einen Goi
schon mal so spielen gehört?
Stuttgarter Zeitung 2/96
Aber du, Oldenburg,
bist keineswegs die geringste unter den Städten, denn du hieltest
als deinen Sohn Hannes Clauss in deinen Mauern geborgen und ließest
ihn heranreifen zum Drummer, der das nach ihm benannte Quartett mit Thomas
Biller (Kontrabaß), Werner Neumann (Gitarre) und Claudio Puntin
(Klarinette) rhythmisch trägt. Acht Kompositionen von Clauss, Neumann
und Puntin versammelt das Album 'Walk'. Will der Titel auf Spaziergänge
durch verschiedene Stilrichtungen des Jazz hinweisen? Ausgedehnte Spaziergange!
Sämtliche Titel über (z.T. weit über) fünf Minuten.
Das sind beschwingte Spaziergange wie z.B. im Opener:
'Machixe' - eins Nummer, die unter Latineinfluß leichtfüßig
daherkommt, mit einer last schon übermütigen Klarinette karnevalesk
wirkt und wohl auch wirken soll. Da gibts aber auch Tracks, die den Eindruck
vermitteln, als solle hier der finale Gang ins Wasser zelebriert werden.
'So That', ein Tango, ist ein derartiger Titel. Doch egal ob die Formation
eher bedächtig besinnlich oder mehr forsch resolut aufspielt - stets
ist der Hörer begeistert von ihrem ebenso differenzierten wie homogenen
Zusammenspiel, stets begleitet er die Gruppe willig und mit Vergnügen
auf ihren Spaziergängen. Eine Scheibe, von der man auch nach mehrmaligem
Anhören nicht genug kriegen kann.
(Kate)/Regensburger Stadtzeitung 3/96
Dances
Wer das Hannes Clauß Quartett schon einmal live gehört hat,
weiß, wie vital und einfallsreich seine Mitglieder zu Werke gehen.
Das ist auf der hier vorliegenden zweiten CD dieser Band nicht anders.
In die Thematik der Platte wird gleich mit Power eingestiegen - mit einem
treibenden Bass und Drum-Groove und rasanten Unisono-Läufen von Gitarre
und Klarinette, die in einen musikalischen Mann-Frauen-Dialog münden.
Akustisch illustriert werden hier auf humorvolle Weise das Umwerben, das
Schmeicheln und das sich Zieren. Es folgen drei Miniaturen. "Anleitung
zum Tanz", "Vor dem Spiegel", und "Vamos". Sie
enthalten Stimmeffekte (mumble) und abstrakte Latino-Einsprengsel durch
den Einsatz der Percussionsinstrumente. Kontrabassist Thomas Biller bestimmt
klanglich das nächste Stück - "Waiting for Waltzing".
Er spielt das Thema, das eine gute Kanon-Melodie abgäbe, und seinen
solistischen Part mit Bogen. Verfremdungseffekt werden hier eingebaut
durch die Akkordfragmente von Gitarrist Werner Neumann, die wie ein verstimmtes
Kneipenklavier klingen. Ungewöhnlich auch der Sound der präparierten
Bassklarinette, mit der Claudio Puntin im Stück "Inner Dancer"
wie ein Rock-Gitarrist phrasiert. Bei "Sarah-Bande" wird Ravels
Bolero zitiert und umspielt, und wenn man es sich gerade gemütlich
gemacht hat, den Melodiefluß von Gitarre und Klarinette zu genießen,
verhält sich die Band wie Kinder am Urlaubsstrand, die die gerade
fertiggestellte Sandburg lustvoll wieder zerstören. Das Ganze landet
dann in einem Up-tempo-Swing, in dem Gitarrist Werner Neumann solistisch
brilliert. Über das sich minimalistisch bewegende "Ringelreihen",
einem Stück mit fast volksliedhafter Melodik, bis zur meditativen
Klangweite in "Ocean dance", die an Jan Garbarek erinnert, reicht
das restliche Spektrum dieser CD - und ist wegen ihrer Vielgestaltigkeit
überaus interessant und hörenswert.
Klaus Briest/Jazz Podium 11/98
Phantastische Scheibe,
die dem ambitionierten Jazz zeigt, wo's im nächsten Jahrtausend langgehen
könnte -und vor allem, welches Potential noch in der Quartettbesetzung
liegt. Für mich ist "Dances" eine absolut geniale Symbiose
aus klassischer Tradition und Moderne, die sich dabei nicht krampfhaft
ans ein oder andere Ende klammert. Nicht immer einfach zu hören,
dafür langweilt die CD aber auch nicht bereits beim zweiten "Konsumieren".
KS/SOLO 1/99
Wenn dieses Quartett
live auch nur halb so einfallsreich agiert wie auf der aktuellen Produktion
"Dances", dann dürfte jedes Konzert zu einem mitreißenden
Jazz-Abend werden. Hier gibt es perfekte Dialoge zwischen den Melodie-Instrumenten
Gitarre und Klarinette, gefestigt von einer treibenden, groovenden, keuchenden
und meist extrem vitalen Rhythmus-Gruppe. Man arbeitet mit Verfremdungs-Effekten
genauso wie mit bekannten Themen: Ravel's Bolero, der jedoch lediglich
als kurzes Zitat auftaucht. Ein insgesamt tolles, in sich stimmiges Werk,
extrem vielseitig, perfekt eingespielt, voller Ideen und teils ein wenig
an Altmeister Jan Gabarek erinnernd, dann jedoch wiederum so eigenständig
wie eben möglich. Selbst nach mehrmaligem Hören entdeckt man
noch kleinere Spielereien, die vorher verborgen waren und somit zum Geheimnis
dieser Platte beitragen, welches es zu lüften heißt. Es lohnt
sich nämlich wirklich, sich mit dieser Musik intensiv zu beschäftigen.
Klaus Kronberger/drums & percussion 2/99
Dances, Tänze,
betitelt Hannes Clauss seine aktuelle Produktion und führt den Hörer
bereits beim ersten Stück "Wenn Zwei sich finden" aufs
Glatteis. Mit großer visionärer Kraft verbinden Clauss und
seine Mannen auf diesem Album Tradition und Moderne, führen sie lyrische
Themen, traditionelle Tanzformen, moderne Grooves und klassische, nicht
ohne Augenzwinkern eingesponnene Zitate zusammen. Da finden sich melancholisch
Kletzmer-Klänge unmittelbar neben Uptempo-Lines á la Mike
Stern und Co., da holpert ein stilisierter Ländler in unmittelbarer
Nachbarschaft eines famosen Hiphop-Grooves - der Kontrabaß übernimmt
dann kurzfristig die Rolle des Samplers für die "Special FX"
- das in der formalen Anlage und dem Arrangement "klassische"
Thema mündet unversehens in einer freien Improvisation - kurzum,
der musikalische Kosmos auf "Dances" ist grenzenlos. Ihn zu
entdecken, ihn zu bereisen wird man niemals müde. Und kaum, daß
man "Dances" einmal zuende gehört hat, möchte man
erneut den CD-Spieler starten, weil man eigentlich gar nicht glauben mag,
was man soeben erlebt hat. Wo sich der Jazz vielfach noch in Paradigmen,
in puristischen Reinheitsdiskussionen verschränkt, hat das Hannes
Clauss Quartett längst schon den nächsten Schritt genommen und
zeigt in kompromißloser Konsequenz den Weg ins nächste Millennium.
Ein phantastisches Album, dessen Faszination sich wohl kaum jemand entziehen
kann.
MS/Vintage Guitar News 3/99
Eine sehr abwechslungsreiche,
aus der Fülle der Neuveröffentlichungen herausragende Einspielung
legt der Oldenburger Schlagzeuger Hannes Claus mit seinem Quartett vor.
Einen Großteil der Spannung und des Reizes beziehen die Songs dabei
aus dem so unterschiedlichen, aber kongenialen Spiel des Klarinettisten
Claudio Puntin und des Gitarristen Werner Neumann. Deutlich hörbar
bei "Certain Circums Dances": melodiös-fließend die
Linien Puntins, parallel dazu rockig-verzerrt die Gitarre Neumanns. Man
meint, zwei unterschiedliche Songs auf einmal zu hören. Immer wieder
wirft Neumann seine Riffs in den Raum, die nicht selten die zuvor "erspielten"
Klanggebäude zum Wackeln oder auch zum Einsturz bringen. Der Bassist
Thomas Biller und Clauss tragen dabei zu den Klanggebäuden und -farben
nicht nur bei, sondern machen sie erst möglich. Das Wort Rhythmusgruppe
für diese beiden wäre hier ein Schimpfwort. Gerade Clauss läßt
mit seinem Spiel das für Schlagzeuger häufig enge Korsett weit
hinter sich. Die Anleihen bei den unterschiedlichsten Stilen - von Latino
über Ravel bis zu meditativen Sounds - und die Musiker mit ihren
unterschiedlichen Vorlieben machen "Dances" zu einer spannenden
Angelegenheit auf sehr hohem musikalischen Niveau.
PS: Hier soll kein Oldenburger gepusht, sondern gute Musik ans Herz gelegt
werden!
Pet/Diabolo 3/99
Der Schlagzeuger und
Perkussionist Hannes Clauss gehört zu den eigenwilligsten Köpfen
des zeitgenössischen Jazz. Das wird auch auf der aktuellen Disc "Dances"
(Acoustic Music Records) seines mit Werner Neumann (g), Claudio Puntin
(cl) und Thomas Biller (b) besetzten Quartetts deutlich. Die weist zahllose
Ecken und Kanten auf. Die Musik ist schräg und sperrig, wird meist
gegen den Sirich gebürstet, weist dennoch einen gewissen (schroffen)
Charme auf. Avantgardistischer Jazz nicht für Swinger, sondern allein
für Kopf-Hörer.
Wiesbadener Tageblatt 4/99
Ist das noch Jazz
? Je öfter man dieses Album hört , um so mehr hat man den Eindruck
, daß hier die Musik des nächsten Jahrhunderts vorweggenommen
worden ist. Es ist faszinierend wie es Clauss und seinen Mannen gelingt
Tradition und Modernes kompromißlos zu verknüpfen. Ein Album
das viel Raum für Entdeckungen läßt.
Quirini´s Mediendienst 4/99
...Zu welchen Wechselbädern
ein akustisches Jazz-Quartett finden kann, wenn es die Grenzen der eigenen
Sprache auslotet, demonstriert die Formation des Drummers Hannes Clauss.
Ausnahme-Klarinettist Claudio Puntin und E-Gitarrist Werner Neumann spannen
das Spektrum von Kammer-Finessen bis zur Rock-Power, und das Konzept-Thema
"Tänze" ist natürlich für jede Menge ethnischer
und ironischer Zutaten gut. Starke Einfälle, knackige Stücke,
null Schublade.
Hjs/Jazz thing 5/99
Nach "Walk"
heißt es beim Quartett des Schlagzeugers Hannes Claus nun "Dances",
also Tänze. Und tänzerisch leicht und wie selbstverständlich
beschwingt klingen alle elf Stücke dieser (wohl wieder unterschätzten)
Aufnahme. Mit Claudio Puntin an Klarinetten, Thomas Biller am Bass und
dem Gitarristen Werner Neumann wird hier ein unverkrampft offenes, humorvolles
und verspieltes Stück Musik offeriert, dessen Magie wie schon beim
Vorgängeralbum schier bezwingend ist.
Ob sich "Waiting For Waltzing" im Dreivierteltakt wiegt, "0-Rhesus-Negativ"
hypnotisiert oder "Ocean Dance" sehnsüchtig träumt,
hier finden sich tolle Melodien, herrliche Klangfarben und viel Offenheit.
Bei aller Offenheit wird aber hier nicht zerfasernd gegeneinander gespielt,
sondern aufeinander gehört und Improvisation entwickelt. Hier tanzen
die Instrumente miteinander, so verschiedenartig die Ansätze auch
sein mögen.
Die innere Dramaturgie des Ganzen, die wie ein Naturgesetz erscheint,
macht diese Scheibe wirklich großartig.
Mainzer Rheinzeitung 5/99
Lyrische Themen, traditionelle
Tanzformen, moderne Grooves und klassische Zitate prägen das ausgelassene
Treiben des Quartetts um Drummer Hannes Clauss auf "Dances",
zudem gehören auch melancholische Klezmer-Klänge, HipHop-Anleihen
und Uptempo-Lines ä la Mike Stern & Co. zum spannend-bunten Sammelsurium
dazu. Unvomersehbar agiert die Band, kompromißlos konsequent im
Zusammenschweißen von Dingen, die (nur scheinbar) nicht zusammenpassen
können. Über Reinheitsdiskussionen können Clauss &
Co. nur herzhaft lachen, und diese fröhliche Offenheit ist ansteckend.
Thomas Tang/Jazz Podium 6/99
Hannes Clauss Quartett meets
Nairobi City Ensemble
Diese Aufnahme kam als eine recht spontane Kooperation
im fernen Afrika zustande: Das Quartett von Schlagzeuger und Percussionist
Hannes Clauss war 2001 hier auf Tournee. Bei einem Workshop in der kenianschen
Hauptstadt lernten die Musiker aus Deutschland das Nairobi City Ensemble
kennen - und schätzen. In der gemeinsamen Zeit wurde
die Idee zu »Mama
Africa« geboren und vor Ort in die Tat umgesetzt: Gegen Ende der
Tour ging man gemeinsam ins Studio und nahm die ersten Spuren mit Ideen
der afrikanischen Freunde auf. In Deutschland wurden diese Aufnahmen
dann überarbeitet und arrangiert. Herausgekommen ist Weltmusik
im besten Sinn und damit nicht unbedingt das, was man bei einem solchen
Projekt erwartet hätte: Wirklich jeder Musiker ist mit all seinem
Background dabei und trägt seinen individuellen Teil zu »Mama
Africa« bei. Dazu gehören E-Gitarren, Drumcomputer, Samples,
jazzige Klarinettensoli und Rapeinlagen genauso wie traditioneller afrikanischer
Gesang. Nicht nur der Titeltrack ist eine Liebeserklärung
an den Kontinent und an die Musik. Freundlicherweise sind die Songtexte
im Booklet in englischer Sprache abgedruckt und die Stücke zudem
erläutert.
drums & percussion
3/05
Ein gelungener Brückenschlag zwischen den
Kulturen: 2001 bereiste das Quartett des Schlagzeugers Hannes Clauss
Afrika, unterstützt
vom Goethe-Institut. In Nairobi traf man auf die Vokalisten des Nairobi
City Ensembles und nahm acht Stücke der afrikanischen Gruppe
auf. Allerdings nur die Vokalspuren. Die übrigen Arrangements
arbeitete das Quartett in den heimischen Studios aus. In Bezug auf das
Endresultat kann man Hannes Clauss' enthusiastischen Liner Notes zustimmen: „Tanzbar,
lyrisch, rhythmisch, phantasievoll, melodisch, experimentell" ist
diese Musik in der Tat durchweg. Der Gesang der Afrikaner, ob solistisch
oder in facettenreichen Chorarrangements, ist eingängig und nie
ethnopoppig simplifizierend. Die afrikanischen Texte wurden im Booklet
dankenswerterweise übersetzt und kommentiert. Die Arrangements arbeiten
die motivischen und rhythmischen Ideen konsequent und schlank im Klang
aus. Die Vokallinien werden mit ideensprühenden Grooves und melodischen
Kontrapunkten unterlegt, und die solistischen Beiträge passen sich
der lockeren Grundstimmung an. Ein Charakteristikum hat Hannes Clauss
in seiner obigen Aufzählung vergessen: kurzweilig ist die
Musik, jenseits von Ethnopopklischee, z. B.im mitteleuropäisch
angehauchten Klagegesang „Swali" oder beim strammen Beat von „The
Motherland". Zwei Stücke gibt es zusätzlich als gekürzte
(radiotaugliche) Versionen. Es wäre wünschenswert, wenn dieses
Projekt auch auf diese Weise Anerkennung erhalten würde - und wenn
es Gelegenheit gäbe, diesen gelungenen Kulturaustausch
auch auf deutschen Bühnen live zu erleben. Vielleicht bietet
sich bald die Möglichkeit für ein Vol. 2.
Thorsten
Meyer/Jazz Podium 3/05 Begegnungen mit dem Nairobi City
Ensemble in Afrika
Wer die Musik des Hannes Clauss Quartetts - live
oder auf Konserve - verfolgt, muss immer mit Überraschungen rechnen.
So auch bei der neuen CD „Mama Africa". Nachdem die Band 2001 auf
einer Afrika-Tournee für das Goethe-Institut in Kenia auf das Nairobi
City Ensemble traf, kam es zu einem spontanen musikalischen Austausch.
Die nach Hause mitgebrachten Aufnahmen erwiesen sich jedoch als
nicht geeignet für eine Veröffentlichung. So begannen in Deutschland
die Bastelstunden im Studio. Herausgekommen ist dabei trotzdem eine
Produktion,
die viele Elemente von Afro-Pop aufweist und erfreulicherweise den afrikanischen
Beitrag unverfälscht lässt, ihn nicht als Ethno-Beimischung
missbraucht. Es wird gerappt, gefunkt und gegroovt - es gibt reizvolle
Dialoge zwischen Sängern und dem (auch vom WDR) „ausgezeichneten" Klarinettisten
Claudio Puntin. Durch den Gitarristen Werner Neumann kommt auch das
Dobro zum Einsatz - ein Instrument, das sonst unverzichtbares Klangelement
von Country & Western-Musik ist. Der Kontrastreichtum zeigt sich
auch darin, wie ein Song, der wie ein in der Garage aufgenommener
Siebziger-Protest-Song beginnt, in einem sehr relaxten Funk-Groove landet
(Nying Wuon). Im umfangreichen Booklet liegen die Gesangstexte immerhin
in einer englischen Übersetzung vor und sind somit auch hilfreich
beim Verständnis des Charakters der Stücke, z.B. wenn es thematisch
um das Aufbrechen von Familienstrukturen oder die Friedenssehnsucht
auf einem von zahlreichen Konflikten erschütterten Kontinent geht.
Hannes Clauss, wie war das Ausgangsmaterial beschaffen,
das Sie in Deutschland bearbeitet haben?
Die Afrikaner hatten ein Tonstudio gemietet und haben
uns zu einer Session eingeladen. Es gab nichts schriftlich fixiertes,
keine Noten - sie haben uns die Songs einfach vorgespielt und - gesungen
und wir haben darauf spontan reagiert. Als wir die Aufnahmen zu Hause
anhörten, waren
wir mit dem Sound nicht zufrieden. Wir entschieden uns dann, das Material
neu zu bearbeiten und haben uns z.B. die Songtexte schicken lassen um
zu sehen, was dort inhaltlich transportiert wird und wie wir darauf
musikalisch
reagieren können. Dieser Prozess zog sich über ein Jahr hin.
Die hier vorliegende Musik ist ja nicht gerade typisch
für Ihr Quartett...
Nun - die Songstrukturen waren festgelegt und wir mussten
uns überlegen,
wie wir unseren Part ausgestalten. Da mein Quartett stilistisch nicht
so festgelegt ist, dass wir z.B. nur Hardbop spielen, haben wir hier
sehr flexibel reagiert und versucht eine Musik zu kreieren, die witzig,
intelligent und abwechslungsreich ist - also das, was wir mit unserer
eigenen Musik auch immer versuchen. Unsere bisherigen Alben „Walk" und „Dances" enthalten
schließlich unterschiedliche Elemente aus Blues, Rock, Klassik,
Jazz und Folklore - es kam bei dieser Produktion also nichts aus dem
Nichts! Wir hatten im Gegensatz zur Live-Session im Studio mehr
Möglichkeiten zur musikalischen Reflektion und konnten die Platte
vielfarbiger anlegen, ohne die ursprüngliche Handschrift der Songs
vom Nairobi City Ensemble wegzubügeln.
Sie haben in einem früheren Interview davon gesprochen,
dass Ihre Musik bisweilen durchaus fordernd für
die Zuhörer sei - sie ist hier zugleich (be-)fördernd
im Verständnis des typisch afrikanischen Vokalstils,
der Rhythmik und der Songinhalte.
Claudio Puntin und Werner Neumann, die die Arrangements
der Songs neu geschrieben haben, orientierten sich wie gesagt an den
vorgegebenen
Texten und Melodien der Gesangsparts. Das ist natürlich eine
andere Vorgabe als eigene Kompositionen zu benutzen. Außerdem nutzte
ich die Gelegenheit das Cover selbst zu gestalten - ich habe nach meinem
Kunststudium bildnerisch gearbeitet und tue das nach wie vor und
will auch im Booklet mehr Informationen geben als die Besetzungsliste
und das Aufnahmedatum - gerade auch vor dem Hintergrund des kulturpolitischen
Aspekts eines solchen Projekts. Im Übrigen war die ganze Produktionsweise
sehr untypisch für ein Jazzalbum, wir haben da sehr viel gelernt
- wie man schichtweise aufnimmt, wie man bestimmte Teile wohin platziert
etc., also ein Vorgehen wie es in Pop- und Rockproduktionen üblich
ist.
Wird es weitere Projekte mit dem Nairobi City Ensemble
geben?
Wir sind darüber im Gespräch und würden
dies mit der gleichen Produktionsweise durchziehen, weil es die ökonomischste
Arbeitsweise wäre. Ansonsten wird sich das Quartett in Zukunft nicht
in der World Music wieder finden sondern wieder mehr experimentellere,
freiere und verrücktere Dinge machen als eine solche Afro-Platte,
die mehr am Mainstream orientiert ist.
Gibt es bleibende Eindrücke musikalischer wie persönlicher
Art?
Die musikalischen haben sich schon auf meiner ersten
Afrika-Tour, damals mit Joe Viera, in meinem Spiel niedergeschlagen.
Persönlich
hat mich beeindruckt, wie sich die Menschen in Afrika trotz wesentlich
schlechteren ökonomischen Bedingungen eine Herzlichkeit und
Lebensfreude bewahren. Man sieht dann die eigenen europäischen Einstellungen
bezüglich Kritik und Nörgelei in einem anderen Licht.
Klaus Briest/Jazz Podium 4/05
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