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Ostafrika-
Tournee
auf Einladung des Goethe-Instituts
24.9.-13.10.2001
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24.9 01
In Hamburg treffe ich mich mit Thomas, er hat einen neuen Kurzhaarschnitt.
Wir fliegen gegen 18.00 Uhr los und im Flieger landet von Thomas der erste
Rotweinerguss auf meiner Hose. Beim Zwischenstop in Zürich treffen
wir, wie verabredet, Claudio und Werner und es geht Non Stop nach Nairobi.
25.9 01
Unser Hotel befindet sich mitten in der City und der Ausblick ist irritierend,
könnte er doch auch in irgendeiner europäischen Metropole sein.
Beim genaueren Betrachten allerdings merkt man, daß sich hinter
der urbanen Architektur doch ganz Anderes verbirgt. Direkt ans Hotel angrenzend
liegt der kleine Hinterhof einer Autowerkstatt, in dem die afrikanischen
Familien der Mechaniker leben. Wasserlöcher, Wellblechhütten,
Kochen im Freien, Armut; auf wenigen Quadratmetern wird hier der riesige
Kontrast zwischen erster und dritter Welt sichtbar. Zum Goethe-Institut
sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Dort die erste Verständigungsprobe,
alles klappt wunderbar. Beim Rückweg vom Essen werden wir von kleinen
Kindern angebettelt. Ein unwohles Gefühl sich abweisend verhalten
zu müssen, da wir noch nicht Geld getauscht haben. Am Abend von Frau
Meyer-Marroth zum Begrüßungsessen eingeladen, trotz Müdigkeit
kommen nette und interessante Gespräche mit den anderen Gästen
zustande. So auch mit M. Ondiege, einem Choreographen und Tänzer,
den ich in Deutschland auf "Arte" in einem Bericht über
afrikanischen Tanz gesehen habe.
26.9.01
Am Nachmittag nochmals eine Probe und dann um 19.00 Uhr unser erstes Konzert
auf afrikanischem Boden. Das Publikum reagiert begeistert auf unsere Musik.
Neben der deutschen Community sind auch viele Kenianer im Saal, ebenso
der französische und englische Botschafter und der kenianische Kulturbeauftragte.
Die Leitung des Goethe-Instituts ist ganz aus dem Häuschen, auch
weil der Saal total ausverkauft ist. Wir werden überschwänglich
zum tollen Konzert beglückwünscht. Wir reden noch mit vielen
Menschen, darunter auch Musiker, die morgen zum Workshop kommen wollen,
mit diesen geht es dann noch in einen Club zum Essen und Aushängen.
27.9.01
Was für ein irrer Tag! Um 11.00 Uhr der Beginn des Kurzworkshops.
Unter den Teilnehmern einige Gesichter, die wir schon vom Konzert her
kennen. Wir spielen "So That" und sprechen anschließend
über unsere Musik und beantworten Fragen zu musikalischen Themen.
Nun stellen sich die Teilnehmer mit ihrer Musik vor, traditionell beeinflusste
Songs mit Flöte, Harfe , Gesang und Trommeln; Einzelvorträge.
Bis auf die Musiker des "Nairobi City Ensembles" alles Musiker
auf Amateurniveau. Zum Abschluss dann noch eine zweistündige gemeinsame
Session mit sehr schönen musikalischen Momenten. Um 16.00 Uhr sind
wir dann völlig abgearbeitet, Schluss und Ortswechsel in die Bar/Kantine
des Nationaltheaters, wie es scheint, der Treff für die örtliche
Kunst- und Bohemienscene. Wir werden wieder zum Essen eingeladen, diesmal
afrikanisches Essen, das wir mit den Fingern essen, es gibt ganz köstlichen
Fisch aus dem Victoriasee und eine Art Spinatgemüse. Etwas besorgt
ob unserer Gesundheit, ist das Essen verträglich für uns?
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Jetzt
kommt die angekündigte Band, sie spielt traditionelle Musik im
Stil der Lure mit zwei Geigen, drei Trommlern und einem Antilopenhornbläser
und die Party beginnt. Zwischen netten Gesprächen, Geschäker
und Witzen immer wieder auch mal ein Tänzchen. Irgendwie erfahren
die Musiker, dass wir Kollegen aus Deutschland sind und wir werden
eingeladen mit Ihnen zu spielen. Werner und Claudio haben plötzlich
eigenartige Mützen mit Federbüschen auf dem Kopf und das
Publikum ist aus dem Häuschen. |
Es werden noch Bekanntschaften
gemacht und Verabredungen getroffen und irgendwann sind wir wieder, dank
unserer neuen Freunde, im Hotel und genießen mit Gabriel noch einen
gemeinsamen Absacker in der Hotelbar.
28.9.01
Checkout ( etwas kompliziert und stressig) und netter Abschied von Frau
Meyer-Marroth und Frau Peter. Es geht zum Flughafen, dort übernimmt
Claudio das Einchecken und macht seine Sache prima, für den Rest
der Tour ist er nun der Bandeinchecker. Kurzer Flug nach Uganda mit einem
tollen Blick auf den Victoriasee, wir haben schon im Nairobi Airport Herrn
Malscherek kennengelernt, dessen Frau uns nun als Vertreterin des Goethe-Instituts
am Flughafen Entebbe empfängt. Mit dem Zoll läuft alles dank
Malschereks glatt und auf der Fahrt nach Kampala habe ich das Gefühl,
erst jetzt in dem Afrika zu sein, das man aus Film und Fernsehen zu kennen
glaubt. Wir kommen durch malerische Örtchen mit grasgedeckten Rundhütten,
rote Erde überall, dagegen das satte Grün einer üppigen
Vegetation; Ziegen und Kühe auf den Straßen und dazu Menschengewimmel
um Verkaufsstände.
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Kampala
selbst noch mehr vor Leben brodelnd, viele Ethnien in einer im Vergleich
zu Nairobi überschaubaren City, die weniger durch Hochhäuser
als durch exotische Gotteshäuser ihr Gesicht bekommt. Das Hotel
liegt mitten in der Stadt, ist prima und wir entspannen noch etwas
vor dem Begrüßungsessen, zu dem wir von Malschereks in
eines der besten indischen Lokale eingeladen werden, in dem wir je
waren. Ein Teil der Band muss sich noch in der Disco "Rock Garden"
austoben. Auf dem Nachhauseweg wird Thomas fast noch in eine Schlägerei
verwickelt und kann sich gerade noch ins Hotel retten. |
29.9.01
Beim Frühstück werden erst mal die Erlebnisse der letzten Nacht
besprochen und wir nehmen uns vor doch etwas vorsichtiger zu sein. Jetzt
steht ein Besuch der "Kasubi Tumbs", dreier Königsgräber,
auf dem Programm. Diese befinden sich in einem alten afrikanischen Königspalast;
ein netter Führer macht mit uns die Runde, erzählt uns viele
Details aus vergangener Zeit. So fertigte man aus der zerschlagenen Rinde
des Feigenbaumes Kleidung, die vor Moskitos schützt und einer der
Könige soll 83 Frauen und über 100 Kinder gehabt haben. Insgesamt
gibt es in Uganda noch 8 Königreiche. Die Königsgräber
werden übrigens immer noch von alten Frauen aus dem benachbarten
Dorf bewacht und gepflegt.
Nach einem anschließenden
Besuch auf einem Touristenmarkt, geht es zum Essen ins Petit Bistro, das
etwas außerhalb der Stadt liegt. Auf der Hin- und Rückfahrt
konnten wir noch einiges an Eindrücken mitnehmen. Kampala liegt auf
sieben Hügeln in einer wunderbaren Vegetation und die Bevölkerung
ist anscheinend immer unterwegs, teils zu Fuß, mit Fahrrädern
oder mit dem Auto, wobei die Fußgänger dominieren, ein unglaubliches
Gewimmel.
Plötzlich, beim
Blick durchs Wagenfenster, sehe ich einen jungen Mann schwankend in einer
Pfütze sitzen, mit großen offenen Wunden am Kopf, die weiß
leuchten. Er spuckt Blut und um ihn herum pulst das Leben. Ich habe das
Gefühl in einem Theaterstück zu sein, mitten drin und trotzdem
nicht am Geschehen beteiligt. Hier ist wohl der Tod mehr ins Leben eingebunden
als bei uns. Gestern sah ich im TV einen Bericht über ugandische
Straßenkinder, wohl ein ähnliches Problem wie in Südamerika.
Die First Lady Ugandas warb für ein Ausbildungsprogramm für
diese Kinder und bat um Unterstützung.
Um 17.30 Uhr müssen
wir zum Soundcheck ins National Theater, die Anlage und das Drumset ist
O.K. und der Soundingenieur kommt aus Wittmund in Ostfriesland. Zum Konzertbeginn
ist der Saal mit ca. 200 Leuten gut gefüllt, diesmal deutlich weniger
afrikanisches Publikum. Die Band wird vom deutschen Botschafter Herrn
Holderbaum begrüßt und ab geht´s. Das Publikum ist anfänglich
etwas zurückhaltend, doch im Verlauf des Konzerts wächst die
Begeisterung und zum Schluss gibt es stehende Ovationen. Das CD- Kontingent
für diesen Abend ist restlos ausverkauft und ich nehme Bestellungen
mit nach Hause. Von überallher bekommt die Band Zustimmung und Lob,
ich lerne zwei Oldenburger kennen die hier im Entwicklungsdienst arbeiten
und mich vom Westersteder Jazzfestival her kennen. Nach dem Essen beim
Italiener, der in gefährlicher Nähe zum "Rock Garden"
liegt, geht es zurück zum Hotel.
30.9.01
Nach dem Frühstück Check Out und um 11.00 Uhr fahren wir zum
Kurzworkshop. Als wir ankommen, ist unser Equipment noch nicht da, also
behelfen wir uns mit dem, was wir mit haben.
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Nach
kurzer Vorstellung spielt das Kampala Youth Orchestra afrikanisch
gefärbte Blasmusik, die stark an die Streetbands aus New Orleans
erinnert. Dirigiert wird das Ganze von einem achtjährigen Jungen,
von dem alle begeistert sind. Danach stellen sich noch weitere Musiker
vor, darunter auch ein Inder mit einer Sitar. Wieder gibt es eine
gemeinsame Jamsession und anschließend werden Adressen ausgetauscht
und CD-Bestellungen angenommen. Alle meinen, die Zeit unseres Aufenthalts
sei viel zu kurz und nächstesmal sollten wir länger bleiben,
dem können wir nur zustimmen! |
Die kurzen Aufenthalte
sind wirklich stressig, wir sehen definitiv zu wenig vom Land, der Austausch
mit den afrikanischen Kollegen ist zu kurz und wir können kaum entspannen.
Die Botschafterin, Frau Stoll, hat uns zum Essen eingeladen, wir fahren
zum Country Club. Claudio und Werner zetteln noch ein Fußballspiel
an mit Jugendlichen aus aller Herren Länder und sind dann ziemlich
ausgepumpt; Kampala liegt doch etwas höher als Köln. Nun werden
wir von Jimmy, unserem Fahrer, nach Entebbe zum Hotel gebracht, da unser
Flugzeug morgen recht früh startet. Nach dem Essen und einem schönen
Spaziergang zum Victoriasee geht es dann auch bald zu Bett.
1.10.01
Thomas hat seine Kamera im Hotel und seine Jacke im Auto vergessen und
ist daher etwas knurrig. Problemlos, dank der Vorarbeit der Botschaft,
durch den Zoll und nach 45 Minuten sind wir wieder in Nairobi. Hier herrscht
ein riesiges Chaos am Transitschalter, da neue Gebühren eingeführt
wurden. Wir stehen 1 1/2 Stunden in der Schlange, überall verspäten
sich die Abflüge, da die Passagiere noch nicht abgefertigt sind.
Die Ursache: es fehlen Quittungsblöcke.
In Harare werden wir von Dr. Köhler im neuen Flughafen empfangen
und zu unserem Hotel gebracht. Er hat für uns extra umgebucht und
uns im bezaubernden Bronte Hotel untergebracht. Ein Paradies mitten in
Harare. Am Abend dann der übliche Empfang, auf dem wir auch ein kleines
Konzert geben und mit zwei zimbabwischen Musikern noch etwas jammen. Anschließend
noch interessante Gespräche mit einer illustren internationalen Gästeschar.
2.10.01
Früh um 7.30 Uhr aufgestanden; nach dem Frühstück zum Pool,
Schwimmen und Sonne tanken bis 11.00 Uhr. Mit Herrn Köhler fahren
wir nach Domboshava, während der Fahrt erzählt er uns etwas
über die Situation in Zimbabwe. Es herrscht hohe Arbeitslosigkeit,
die Regierung zahlt nicht mehr ihre Auslandschulden, dadurch gibt es eine
hohe Inflation. Die Einheimischen mit Geld legen es in Immobilien oder
Sachwerten an, große Teile der Bevölkerung hungern, 75% des
Landbesitzes sind in den Händen von ca. 4.500 weißen Farmern.
Das Land, das eigentlich eines der führenden in Afrika ist, befindet
sich im Niedergang. Die Regierung ist total korrupt und klammert sich
an die Macht.
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Dann
Domboshava, ein riesiger Granitfelsen, ein heiliger Ort mit eigenartiger
Atmosphäre. Die Landschaft, soweit das Auge reicht, mit Granitblöcken
durchzogen. Wir kommen an einen Felsüberhang, unter dem über
800 bis 1000jährige Felszeichnungen zu sehen sind, meistens Tier-
oder Jagddarstellungen und seltsam langgezogene Menschen.
Auf dem Gipfel dann ein atemberaubendes Panorama. |
Nach einiger Zeit
geht es wieder zurück nach Harare. Auf dem Rückweg sehen wir
viele Feldarbeiter und die typischen Rundhütten, allerdings aus Wellblech!
Das Konzert am Abend ist im Freien und wir haben ein vorwiegend weißes
Publikum. Ich spiele auf einem alten Ludwig, das ganz gut klingt. Musikalisch
gesehen ist dieser Abend der beste bisher. Leider kommt es nicht noch
einmal zu einer Begegnung mit den beiden Musikern von gestern. Beim anschließenden
Essen gibt es wieder reichliches Lob für uns und die Musik. Das Tischgespräch
ist etwas mühselig, da die Musik zu laut ist, es geht um die Proportionen
des menschlichen Körpers und um die Qualität des Essens verschiedener
Nationalitäten.
3.10.01
Claudio bringt die Hiobsbotschaft, dass Swissair bankrott ist. Er hat
sofort ein e-mail nach Nairobi geschickt mit der Bitte um Umbuchung, mal
sehen ob alles klappt. Wir liegen alle noch mal am Pool und tanken Sonne.
Gestern durch CD-Verkauf 1200$ Zim eingenommen, das sind in etwa 2-3 Monatsgehälter
eines einheimischen Normalverdieners. Ich hatte gestern einen netten Gärtner
und den Herrn von der Rezeption zum Konzert eingeladen, beide schwärmen
heute vom Konzert. Um 13.00 Uhr geht es leider schon zum Flughafen, Einchecken
und Claudio macht seine Sache wieder hervorragend. Jetzt gibt es dafür
Stress mit der Flughafengebühr, irgendwie wird auch das gelöst.
Nach 2 Stunden Zwischenlandung in Johannesburg und um 21.00 Uhr sind wir
endlich in Kapstadt. Hier werden wir von Frau van Ryneveld und ihrem Mann
empfangen und zu unserem Hotel gebracht. Die "Mediterranean Villa"
liegt mitten in der Stadt und ist ein reizendes victorianisches Haus mit
Nebengebäuden, das von der Evangelischen Kirchengemeinde Nürnberg
betrieben wird. Man spricht fränkisch! Wir gehen noch kurz in die
Stadt essen und fallen dann erschöpft ins Bett.
4.10.01
Wieder so ein Erlebnistag, wie man ihn nur auf Tour in Afrika erleben
kann. Beginne ich mit dem Morgen: wir sind eigentlich alle auf eine Wal-Tour
eingestellt und Werner hat da schon aus Deutschland einiges organisiert.
Wie sich nun herausstellt, geht heute nichts mehr in Punkto Wal. Also
wird jetzt Jörg, ein deutscher Taxifahrer bestellt, der uns zu günstigen
Konditionen fährt. Wir warten auf Jörg, doch Claudio und Werner
wollen auf eigene Faust los, ich preise mit Engelszungen die Vorzüge
eines ortskundigen, deutschsprechenden Fahrers, also warten wir gemeinsam
weiter, das Taxi kommt und wir quetschen uns zu viert rein. Thomas fährt
nun doch noch mit, wollte vorher eigentlich nicht. ENG!! Also jetzt erst
mal Geld tauschen. Wir gehen an den Automaten und jeder hebt Geld ab.
Plötzlich kommt Thomas aus der Bank gesaust, ihm ist die Geldkarte
abgetrickst worden, mit zwei Polizisten eilt er der Diebin hinterher.
Wir warten und nach einiger Zeit entstehen Horrorszenarien im Kopf. Irgendwann
ist Thomas mit Begleitschutz und gefasster Diebin wieder da, aber die
Scheckkarte ist zerbrochen. Thomas geht mit zur Wache und wir machen in
der Zwischenzeit eine kleine Stadtrundfahrt, bei der sich Jörg als
wandelndes Kapstadtlexikon erweist. Wir picken Thomas nach einiger Zeit
wieder auf und jetzt ab Richtung Kalk-Bay, unterwegs sehen wir natürlich
- WALE! und zwar das ganze Programm Blasen, Springen und die Schwanzflosse.
Hunger!!! Jörg empfiehlt "Brass Bell", nettes Lokal, nette
Bedienung und das Essen sei auch gut. Vom Lokal haben wir einen weiten
Blick auf das Meer, in dem immer wieder Wale zu sehen sind, alle sind
zufrieden. Das Wetter ist hier im Moment frühlingshaft frisch, mit
Regen und Sonne 20-22Grad. Kapstadt ist eine 2.5 Millionen-Metropole und
ein riesiger Meltingpot, ein Pulverfass mit glimmender Lunte. Überall
sieht man Wachposten und Vierer-Polizeistreifen, Sicherheit ist ein großes
Geschäft hier.
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Nach
einem Souvenierkauf geht es weiter zum Kap der guten Hoffnung, dabei
immer wieder herrliche Ausblicke. Wir kommen zur Mautstation des kleinen
Naturschutzgebietes, das das Horn umgibt und hier sitzen schon die
ersten Paviane auf der Strasse und lauern auf Fressen. Außerdem
gibt es hier noch Vogelstrauße, Zebras, Bunte Bock, Pinguine
und Cobras. |
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Die
Vegetation besteht aus niedrigen Gräsern, kleinen Büschen
(sog. Nadelkissen), es gibt hier keine Bäume mehr, der Wind ist
zu stark. Wir halten an Cape Point, auch hier Paviane bettelnd auf
der Strasse. Wir genießen einen herrlichen Blick auf den Atlantik
und den Indischen Ozean. Auf dem Rückweg erleben wir eine schöne
Dämmerung und Kapstadt im rosa Abendlicht. Völlig K.O. kommen
wir im Hotel an, dort erwarten uns Faxe aus Daressalam und Nairobi
mit der Nachricht, dass unser Konzert in Daressalam ausfällt.
Ich telefoniere mit Nairobi und wir planen einen weiteren Aufenthalt
und eventuell noch ein Konzert, mal sehen ob das alles klappt. |
5.10.01
9.30 Uhr Frühstück, alles wird gut! Nach Rückruf sieht
es jetzt so aus, dass Windhoek noch ein weiteres Konzert mit uns zu machen
möchte, wir dann einen Tag länger bleiben und am 9.10. nach
Nairobi kommen, dort sind wir dann mit Gabriel im Studio und am 10.10.
geben wir noch ein Konzert im Goethe-Institut, danach wie geplant Madagaskar.
Nachdem jetzt alles klar ist, geht es noch mal in die Stadt, Werner und
ich sind im türkischen Bad, während Claudio CDs einkaufen möchte.
Nach dem Mittagessen und einem Schläfchen, geht es zum Soundcheck
zum "Club Westend" in Athlone. Drumset und Ton sind gut und
um 17.00 Uhr kommt dann Reto Weber mit seiner Band. Nochmal zurück
ins Hotel und dann um 20.45 Uhr wieder in den Club. Reto spielt vor uns
und ist nicht sehr toll, sehr gut dagegen Christy Doran und die beiden
indischen und pakistanischen Percussionisten. Das Publikum ist sehr laut,
auch bei den leisen Stücken, hier wird wohl meistens Rock oder Fusion
gespielt, weder die Schweizer noch wir sind glücklich an diesem Ort
zu spielen. Unser Soundcheck war total umsonst, weder Monitor noch sonstige
Absprachen funktionieren. Das Positive: die Gruppe hält das aus,
ohne Spannungen. Wir haben alle den Eindruck, dass weder die Vorbereitung,
noch die Betreuung gut war, im Club mussten wir uns selbst um Garderoben
und Getränke kümmern, es war auch nicht geklärt, ob wir
angesagt werden, alles irgendwie lieblos durchgezogen. Offensichtlich
wurde die örtliche Scene nicht gekannt und anscheinend auch nicht
die Jazzlokalitäten. Da auch das Wetter immer schlechter wird, sehnen
wir uns schon nach Namibia. In der Hotelküche gibt es noch zum Schluss
den üblichen Abgesang und dann der Schlaf.
6.10.01
Noch mal in die Stadt um Geschenke und CDs zu kaufen, leider zu spät
ein afrikanisches Kunsthandwerks-Kaufhaus entdeckt, vielleicht besser
so. Die Zeit wird knapp und wir müssen zurück, Auschecken und
um 11.30 Uhr zum Flugplatz, dort geht alles glatt, obwohl Frau van Reyneveld
uns schon draußen verlässt, typisch für das Ganze hier.
Endlich in der Luft und auf dem Weg nach Windhoek. Unter mir vertrocknetes,
welliges, rotes Land, nicht vorstellbar, dass hier Menschen leben. Sehr
freundlicher Empfang durch Stephan und dann ca. 40km Fahrt nach Windhoek,
das etwas höher zwischen Bergen liegt. Die Stadt hat ca. 120.000
Einwohner und wurde von zwei afrikanischen Stämmen gegründet,
weil es hier früher mehrere Quellen gab. Bis nach dem 1. Weltkrieg
war Namibia deutsche Kolonie, dann englische und später holländische
Kolonie, danach Buren und Apartheit wie in Südafrika. Noch jetzt
hat das Land die Wunden zu heilen aus dieser Zeit. Wir haben noch etwas
Zeit und bekommen eine kleine Rundfahrt mit anschließendem Ausblick
vom Stadthügel. Jetzt zum Hotel und um 20.45 Uhr zum Warehouse Theater.
Der Saal ist ähnlich wie eine Studiobühne und mit über
100 Gästen gut besucht. Wir geben ein sehr gutes Konzert, wohl eines
unserer besten, vor einem sehr aufmerksamen Publikum. Alle sind glücklich
und wir fallen todmüde ins Bett.
7.10.01
7.00 Uhr Aufstehen, Frühstück und dann Pool. Um 11.00 Uhr Probe
mit Gerson, einem hiesigen Pianisten, später kommt noch ein namibischer
Trommler dazu und um 12.30 Uhr beginnt dann die angekündigte Session.
Wir spielen Standards und zwei Stücke aus unserem Programm, die Gastmusiker
fummeln sich so durch. Es ist sehr warm hier und wir sind sehr durchgeschwitzt.
Nach dem Gig verabreden wir einen weiteren für morgen Abend 21.00
Uhr. Wieder zurück im Hotel, geht es gleich wieder zum Sonne tanken
an den Pool. Am Abend dann mit dem Hotelbus wieder in die Stadt, leider
finden wir den angepriesenen Abessinier nicht und essen in einem Steakhouse.
Die Stadt ist wie leer gefegt und da wir müde sind, fahren Werner
und ich mit dem Bus zurück ins Hotel. Für morgen sind mehrere
Interviews geplant.
8.10.01
8.30 Uhr Aufstehen und Frühstück , um 9.00 Uhr telefoniere ich
mit Stephan um den genauen Tagesplan zu besprechen. Wir haben drei Interviews
zwischen 10.30 und 12.00 Uhr, zuerst beim NBC (engl.), dann Deutsche Welle
und zum Schluss beim Burenfunk (Afrikaans und engl.). Bei NBC werden wir
von einem Albino interviewt und haben viel Spaß, die DW ist etwas
dröge, dafür hat der Burenfunk eine wahrhaft barocke, lebenslustige
Moderatorin. Stephan hat auf die Schnelle wirklich alles toll organisiert.
Beim anschließenden Stadtbummel wird noch kräftig eingekauft
und gut gegessen. Jetzt ist die Stadt total belebt, sie ist auffallend
sauber und überall sieht man deutsche Namen auf den Geschäften.
Da es nun immer heißer wird, geht es zurück zum Hotel und an
den Pool. Um 19.45 Uhr dann zum Konzert, irgendwie bin ich nicht so richtig
bei der Sache, vielleicht weil wir hier schon zum dritten Mal auftreten.
Die erste Hälfte des Konzerts ist etwas matt und in der ersten Reihe
wird laut geplappert, in der Pause stürzt Claudio und prellt sich
den Arm, Werner schneidet sich an einer Tür in den linken Mittelfinger,
beide können Gott sei Dank trotzdem spielen und der Rest des Gigs
ist den Umständen entsprechend. Nach dem Konzert sitzen wir noch
mit einigen Gästen zusammen und es stellt sich heraus, dass die Plappermäuler
zwei aparte Schwestern sind, die mit dem Chef des Theaters befreundet
sind.
9.10.01
5.30 Uhr Aufstehen und um 8.10 Uhr Abflug über Jo-burg nach Nairobi.
In Jo-burg Stress, wir müssen je 50 Rand Sicherheitsgebühr zahlen,
ich übernehme das mit meiner Mastercard. Beim Umsteigen ist dann
die Tasche von Werner weg mit Kleidung und Toilettenartikeln, offensichtlich
ist sie falsch geleitet worden und jetzt in München. Wir fliegen
mit einem Airbus ca. 4 Stunden bis Nairobi, dort werden wir von John (Fahrer
für Goethe) abgeholt und sind um 17.00 Uhr im Hotel. Duschen, Ausruhen
und Diskussion über Modalitäten der Studio-Session. Um 20.00
Uhr geht es dann ins Studio. Erster Blick aufs Drumset und ich bin geschockt,
ein ungestimmtes, völlig abgeklebtes Wrack von Instrument, alles
wird über Triggermikros aufgenommen, da kommt kein guter Sound zustande.
Ich bin zusammen mit Shutu Masha, dem Percussionisten, in der Kabine,
eng und laut! Eigentlich sind alle Bandmitglieder zu müde und auch
etwas lustlos, was sich nach dem ersten Take und einigen Bieren ändert.
MAISHA MAREFU ist ein Trinkspruch und heißt langes Leben, er ist
das Motto der Session. Wir nehmen Stücke auf, die wir noch nie vorher
gehört, geschweige denn geprobt haben und von denen es natürlich
auch keine Noten gibt. Die Atmosphäre wird zusehends entspannter,
was maßgeblich durch Gabriel erreicht wird, der nach jedem Stück
applaudiert und gute Stimmung verbreitet. Er singt uns auch die nächsten
Titel vor und gibt uns Zeichen, wann der Schluss kommt. Wie befürchtet,
dauert die Session länger als geplant, wir nehmen 50 Minuten Musik
( 7 Stücke) in ca. drei Stunden auf. Um 1.00 Uhr dann beim Abhören
gibt es Jubel über jedes Solo und gegenseitige Gratulation, wir haben
glänzende Augen und sind übermüdet, die Afrikaner sind
total euphorisch und tanzen. Gegen 3.00 Uhr fallen alle völlig erledigt
ins Bett.
10.10.01
Vom kenianischen Kulturreferenten wird die ganze Band zum Moi-Day eingeladen
(Präsidentengeburtstag). Ich werde um 8.50 Uhr von Frau Meyer-Maroth
geweckt und lasse die Jungs ausschlafen. Fahrt zum Stadion, Small Talk,
wir sind natürlich viel zu früh, wie gut hätte mir noch
ein Stündchen Schlaf getan. Es ist heiß und ich habe vergessen
mich einzucremen. Beginn der Parade mit afrikanischer Marschmusik, dann
das Defilee der verschiedenen Waffengattungen, Chöre, Feuerwehr etc.
Irgendwie swingen die Afrikaner selbst beim marschieren. Das Ganze ein
eigenartiges Schauspiel von Macht und Personenkult, Moi ist ja nicht gerade
das Vorbild eines demokratischen Politikers. Am interessantesten für
mich ist eine Gruppe traditioneller Trommler und Akrobaten, unglaublich,
was die Jungs da veranstalten. Wir verlassen früher das Stadion und
suchen über eine Stunde unseren Fahrer nebst Wagen. Auf der Rückfahrt
habe ich dann einen kleinen Eindruck von Nairobi außerhalb des Zentrums
bekommen und ich muss meinen früheren Eindruck doch etwas revidieren.
Im Hotel esse ich etwas und kann noch eine Stunde schlafen. Um 16.00 Uhr
dann Soundcheck und um 18.00 Uhr das Konzert. Der Saal ist wieder voll
und jetzt sind die Weißen in der absoluten Minderheit. Die Band
hebt ab und wir spielen unglaublich; Dubbel Vla ist der absolute Höhenflug,
das heißeste, das wir bisher gemacht haben. Im zweiten Set spielen
wir noch mit den Musikern vom Nairobi City Ensemble eine spontane Session.
Das Publikum ist begeistert und wir und Goethes glücklich. Hang Out
im Hotel und ab ins Bett.
11.10.01
6.30 Uhr Checkout und Abflug um 9.00 Uhr nach Antananarivo (Tana). Wir
fliegen lange über den Indischen Ozean , immer wieder Inseln unter
uns und dann Madagaskar. Von Reinhard und Eckehart vom Flughafen abgeholt
und gleich vom Fernsehen interviewt. Angenehmer Empfang. Madagaskar ist
sehr anders als das afrikanische Festland, es ist zudem das sechstärmste
Land der Welt, doch uns wird versichert, dass die Menschen trozdem nicht
aggressiv sind. Wir sehen sehr viele zerlumpte und schmutzige Menschen
und viele Bettler, schon Kinder ab ca. drei Jahren strecken einem ihre
Händchen entgegen. Vorbei an Reisfeldern und zum Trocknen ausgelegter
Wäsche geht es ins Zentrum von Tana, über dem die ausgebrannte
Ruine des Präsidentenpalastes liegt. Die Architektur erinnert mehr
an die Kononialzeiten oder an asiatische Bauweise, es gibt viele Arkaden
und direkt bei unserem Hotel liegt der ehemalige Bahnhof mit einem sehr
schönen Vorplatz.
Zum schon traditionellen Begrüßungsessen werden wir von Reinhard
zu einem köstlichen Chinesen eingeladen und schlemmen ausgiebig.
Später erreicht uns die Nachricht, dass unser Rückflug storniert
wurde und wir gleich am Freitag nach dem Konzert fliegen müssen.
Dadurch haben wir so gut wie keine Möglichkeit, etwas von Madagaskar
zu sehen, schade. Um 18.00 Uhr werden wir dann zur Pressekonferenz abgeholt,
Bettler auf Schritt und Tritt, Menschen, die in Pappkartons wohnen! Um
20.00 Uhr nochmals ein gemeinsames Essen mit Goethes, ich gehe anschließend
zurück ins Hotel, der Rest der Band noch in eine nahegelegene Bar
mit Livemusik.
12.10.01
8.00 Uhr Frühstück und dann raus zum Zeichnen. Ich konnte total
ungestört arbeiten, nur einige Kinder wuselten um mich herum. Nachdem
wir etwas Geld getauscht haben, fahren Claudio und ich zum Markt, der
mich stark an Lagos erinnert, da war ich vor 20 Jahren mit dem Joe Viera
Sextett. Hier gibt es auch die ganz engen Wege durch das Labyrinth der
Marktbuden. Zuerst sind wir im Bereich der Stoffhändler und schon
hier sind die Farben und Gerüche betörend. Ich kaufe etwas später
ein schönes Hornbesteck und danach einen Strohhut für meine
Stirn, beim Moy-Day habe ich doch etwas viel Sonne abbekommen. Weiter
an Fisch und Fleisch vorbei und dann große Gewürzberge, jetzt
sind die Gerüche atemberaubend. Eine alte Frau verkauft irgendwelche
Talismane und Zaubermittel, ein Bild wie aus einem anderen Zeitalter.
Claudio möchte noch gerne Edelsteine und Stoffe kaufen, also wieder
rein ins Gewirr. Mit einem kleinen Zweijährigen flaxe ich, während
Claudio mächtig handelt und feilscht. Mit unseren Schätzen zurück
zum Ausgang und in einem alten R4 zum Hotel.
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Essen,
Packen und um 15.00 Uhr zum Soundcheck. Hier das erste Mal etwas Chaos,
denn das Drumset ist nicht komplett, nach zwei Stunden warten ist
dann alles da. Nochmal zum Hotel und Auschecken, da wir nach dem Konzert
sofort zum Flughafen müssen. Um 19.30 Uhr dann nach einigen Ansprachen,
unser Auftritt vor ca. 1.000 Besuchern. Der Sound auf der Bühne
ist nicht so toll, wir geben trotzdem unser Bestes, es ist ja unser
letztes Konzert der Tour. |
Claudio hat im Taxi
noch einige Worte Madegassisch gelernt und als er nach dem ersten Stück
das Publikum begrüßt, haben wir alle Sympathie auf unserer
Seite. Das Publikum klatscht an allen möglichen und unmöglichen
Stellen und bejubelt jedes Stück. Wie wir später erfahren, sind
die Madegassen bekannt für ihre Liebe zum Jazz. Am Ende dann Standing
Ovations. Noch schnell etwas essen, ein Abschiedsfoto und schon sind wir
am Flughafen, Einchecken und ich muss nochmal kräftig für das
Übergepäck bezahlen. Um 24.00 Uhr hat Claudio Geburtstag und
es gibt ein kleines Ständchen. Nach mehreren Kontrollen dann endlich
um 1.30 Uhr Start nach Paris. Ich habe neben Werner einen Sitzplatz bekommen,
er bestellt sich Rotwein und ...der Steward hat ihn angeschubst und ich
habe alles über Hemd und Leinenanzug. Ich werde mit diesem speziellen
Duft wieder in Deutschland einfliegen, der Kreis schließt sich.
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